Taschengeschichten

Körner für den Maturaball

Was war das für ein Hallo, als ein junges Mädchen, das gerade vor ihrer Matura stand, bei mir diese Tasche entdeckte. Das Ballkleid für den Maturaball war bereits gekauft – ein schönes Blau. Die Schule, die sie besucht: die Körner-Schule, benannt nach den bekannten Schriftsteller, dessen Buch vor ihr lag. Welches Abendtäschchen würde perfekter passen? Schön, dass dieses Körner-Täschchen in die richtigen Hände weitergereicht werden konnte. Viel Glück bei der Matura übrigens!

 

Als mir der Verkauf einer besonderen Tasche Gänsehaut bereitete

Ein Bauernkalender aus dem Jahr 1934 fiel mir in die Hände. Der Buchdeckel zeigte wunderschöne Bilder. Die Rückseite war schmutzig und abgenutzt. Der Inhalt gab Lustiges zu lesen preis: alte Bauernregeln, Werbung für „moderne“ Landmaschinen, Trächtigkeitskalender der nutzbaren Haustiere, Haushaltstipps, etc. Ich ging an die Arbeit und startete mit dem Projekt Handtasche. Eine dazu passende Krawatte musste ich nicht lange suchen. Erst eine Woche zuvor gab ein Bekannter Krawatten bei mir ab. Darunter eine mit Kühen. Beinahe hätte ich sie gar nicht behalten. Denn: wo passt denn so was? Zum Bauernkalender. So ein Zufall aber auch! Ich wusste schon beim Anfertigen, diese Tasche muss einmal eine begeisterte Bäuerin tragen!

Wegen der abgenutzten Rückseite des Bauernkalenders habe ich eine Innenseite – die des Trächtigkeitskalenders – als Rücken platziert. Es kam die Marktzeit und ich stellte auf vier Marktwochenenden hintereinander aus. Die Tasche war stets prominent platziert, erregte hohes Aufsehen und erntete großen Beifall, aber mitgenommen hat sie  niemand. Dass die Tasche nicht wegging, dürfte wohl daran gelegen haben, dass sie einfach auf die richtige Trägerin wartet. Ständig überlegte ich, welche mir bekannte Bäuerin, zu der diese Tasche passen würde.

Der letzte dieser vier Märkte war der Adventmarkt in Alberndorf/Riedmark, meine Heimatgemeinde. 10 Minuten vor Marktende kam ein Pärchen, das durch andere auf meinen Stand aufmerksam gemacht wurde. Sie waren hellauf begeistert und meinten, sie müssten jetzt eine Tasche für eine Freundin als Weihnachtsgeschenk suchen, die einen Faible für ausgefallene Taschen hat. Ich fragte also nach und erfuhr im Erzählen, dass ich die Dame doch kannte: Judith Moser, eine Jungbäuerin mit Leib und Seele aus Alberndorf, mit eigenen Kühen im Stall … Die perfekte Frau für diese Tasche!

Ich bekam Gänsehaut weil ich:

  • die zukünftige Trägerin der Tasche kannte
  • wusste, dass die Tasche perfekt zu ihr passt
  • so froh war, dass die Tasche auf diese Frau gewartet hat
  • das Gefühl hatte, die Taschen wissen genau, von wem sie getragen werden wollen …
Michaela rettet das Klassenfest

Michaela, engagierte Mitarbeiterin des Museum Arbeitswelt Steyr, wird ihre Stelle bald verlassen, um Lehrerin zu werden. Als Abschiedsgeschenk finde ich vielleicht eine passende Buchtasche bei Bernanderl, dachte sich ihre Kollegin Katrin Auer. Gemeinsam stöberten wir zuerst die bereits angefertigten Taschen durch. Doch so recht wollte uns keine als Geschenk für Michaela ins Auge springen. Plötzlich kommt’s mir: Beim letzten Flohmarktbesuch, da ging doch dieses Buch mit, mit dem Titel „Michaela (..?)“ Wie lautete der genaue Titel noch mal? Wir suche nach dem Einband – und da steht: „Michaela rettet das Klassenfest“. Das gibt’s doch nicht. Name und zukünftige Tätigkeit passen exakt zu Michaela. Buch und Besitzerin haben sich gefunden. Katrin suchte noch eine passende Krawatte und ich habe mich sogleich ans Werk gemacht. Die Tasche wurde noch am selben Tag abgeholt und ein paar Tage später verschenkt. Michaela hat sich sehr über die Tasche gefreut. Und ich mich erst! Habe ich am Flohmarkt doch noch kurz überlegt, ob ich das Buch wohl jemals Verwendung finden wird. Und schwups, schon war es weg. Dir, liebe Michaela, alles erdenklich Gute in deinem neuen Beruf! Mögest du viel Freud haben und viele Klassenfeste retten!